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Betrachtung der Parallelstellen unter vergleichender Berücksich. tigung der beiden Quartos, deren erstere vielfach für eine Verstümmelung der ersten Redaktion gehalten wird, nicht einiges Licht auf die bisher dunkele, vielumstrittene Entstehungsart und -zeit des Dramas werfen können?

Sehen wir einmal, wie weit wir auf diesem Wege kommen!

Kyffhäuser, Tannhäuser, Rattenfänger. *

Von

Adalbert Rudolf.

Ein seltsames Kleeblatt! – wird mancher ausrufen – wie soll da eine Verbindungskette sich herstellen lassen? – Und dennoch hoffe ich dies zuwege zu bringen, wenn man ruhig meinem Gedankengang zu folgen sich bequemen wird. Ich knüpfe zu diesem Zwecke an die letzten Todeszuckungen des germanischen Heidentums an.

Der Sieg der schwer verdaulichen christlich-paulinischen Lehre gegen die zwar derbe, aber dabei schlichte, handgreifliche heidnische war besonders in dem unzugänglichen Inneren Deutschlands kein leichter und schneller; ein Hauptgrund dafür war auch der, dass der aufgedrängte neue Glaube seine Wurzeln in völlig fremdem Boden hatte und daher mit der Veränderung zugleich dem gesamten teuren Volkstum Gefahr drohte. Jakob Grimm sagt: „Das Christentum war nicht volksmässig. Es kam aus der Fremde und wollte althergebrachte, einheimische Götter verdrängen, die das Land ehrte und liebte. Diese Götter und ihr Dienst hingen zusammen mit Überlieferungen, Verfassung und Gebräuchen des Volkes. Ihre Namen waren in der Landessprache entsprungen und altertümlich geheiligt, Könige und Fürsten führten Stamm und Abkunft auf einzelne Götter zurück; Wälder, Berge, Seen hatten durch ihre Nähe lebendige Weihe empfangen. Allem dem sollte das Volk entsagen, und was sonst als Treue und Anhänglichkeit gepriesen

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wird, wurde von Verkündigern des neuen Glaubens als Sünde und Verbrechen dargestellt und verfolgt“, gleichwie Chlodowig dem Franken bei der Taufe gesagt ward: „Verbrenn, was du angebetet, und bet an, was du verbrannt hast!" Durch solches Auf-den-Kopf-stellen kam es denn, dass das Christentum nur ganz allmählich in die Stämme des inneren Deutschland einzudringen vermochte. Bis zum Ende des sechsten Jahrhunderts waren Alemannen, Bojoarier, Therwinger, Sachsen und Friesen noch Heiden. Besonders in Friesland hatte das Christentum einen schweren Stand; Fürst und Volk hielten sogar noch zu Beginn des achten Jahrhunderts beharrlich an dem mit ihrem Volkstum verknüpften Glauben fest. Der Herzog Ratbot verjagte den heiligen Willibrod und enthauptete den heiligen Wipert, welcher die Götterbilder zu zerschlagen gewagt hatte.

Endlich aber schien er zur Annahme des Christentums gewillt; er hatte sich durch den Eifer des heiligen Wolfram dazu bestimmen lassen und bereits den Fuss in das Wasser der Taufkufe gesetzt, als ihm während der Weihungsrede die Frage einfiel, ob denn seine Vorfahren auch in dem Himmel seien; auf die Antwort des Geistlichen, dass sie in der Hölle büssen müssten, weil sie Heiden gewesen, zog der wilde Täufling hurtig den Fuss aus dem Wasser zurück, indem er versicherte, lieber zu seinen tapferen Ahnen, sei's auch in die Hölle, kommen, als mit dem gemeinen Christenvolke selig werden zu wollen. Dazu erzählt die Kirchensage, dass dem Friesenfürsten, als er sich zur Taufe anschickte, ein Mann in kriegerischer Rüstung erschienen sei, welcher ihm Wuotans, des Götterkönigs, goldblinkende Säle und den für Ratbot geschmückten Sitz gezeigt und ibn gewarnt habe, von dem alten Gotte abzulassen; der Diakonus aber habe, als sein Auge gleichfalls auf die teuflische Erscheinung gefallen sei, schnell das Zeichen des Kreuzes darüber gemacht, und sogleich habe sich alles in öden Sumpf und Moor verwandelt. Der starre Herzog blieb unerschütterlich dem Glauben der Väter getreu und verfolgte die Christen eifrig bis zu seinem Tode (719).

Aus dieser kurzen Darlegung erhellt so recht die Sinnesart in der Übergangszeit des Glaubens; man fühlt mit, wie schmerzlich-schwer unseren Altvorderen werden musste, sich von den Volkstumgöttern loszureissen. Endlich war in ganz Deutschland der Sieg des Christentums entschieden, wenigstens äusserlich: unmöglich konnte die innere Wandlung sich schnell vollziehen, indem die neue, fremde Lehre nicht durch milde Bekehrung und Überzeugung, sondern meistens durch alle Schrecken des Zwanges eingeführt ward. Da zogen im Volksglauben die alten Götter sich in ihre irdischen Behausungen, in die Berge zurück,* während sie die schönen, gedankenüppigen Himmelsitze dem siegreichen Christengotte mit seinem Anhange lassen mussten. Diese Bergentrückung ist deutlich in der herrlichen Sage vom Odenberg bei dem Städtchen Gudensberg ** (Niederhessen) geschildert, zwar jetzt auf Karl den Fünften bezogen, wie früher nachgewiesen auf Karl den Grossen, aber offenbar ursprünglich dem alten Gotte Charal (d. i. Herr) = Wuotan zugehörig. Sie lautet also:

Karl war mit seinem Heer in die Gebirge der Gudengberger Landschaft gerückt, siegreich, wie einige erzählen, nach anderen fliehend, von Morgen her (aus Westfalen). Die Krieger schmachteten vor Durst, der König sass auf schneeweissem Schimmel; da trat das Pferd mit dem Huf anf den Boden und schlug einen Stein vom Felsen, aus der Öffnung sprudelte die Quelle mächtig. Das ganze Heer ward getränkt. Diese Quelle heisst Glisborn, ihrer kühlen hellen Flut misst das Landvolk grössere Reinigungskraft bei als gewöhnlichem Wasser etc. Der Stein mit dem Huftritt, in die Gudensberger Kirchhofmauer eingesetzt, ist noch heute zu sehen. Nachher schlug König Karl eine grosse Schlacht am Fusee des Odenberges. Das strömende Blut riss tiefe Furchen in den Boden (oft sind sie zugedämmt worden, der Regen spült sie immer wieder auf), die Fluten „wulchen“ zusammen und ergossen sich bis Bessa hinab; Karl erfocht den Sieg: Abends that sich der Fels auf, nahm ihn und das ermattete Kriegsvolk ein und schloss seine Wände. In diesem Odenberg ruht der König von seinen Heldenthaten aus.

* Dieser Gedanke liegt um so näher, wenn man bedenkt, dass im alten Glauben der Germanen, besonders in der älteren und reineren Anschauung der Deutschen, die Götter anstatt der luftigen Himmelsitze Erdensitze, namentlich Berge, innehatten, wie das auch noch vereinzelt aus der nordischen Götterlehre erhellt. Die sogenannten Säle oder Hallen der Götter in der Edda sind eigentlich Bergräume.

** Odenberg und Gudensberg seltsames Zusammentreffen verschiedener Gestaltungen des Namen Wuotan: alemannisch Otan, fränkisch Godan, was auf eine Mischung oder Berührung dieser beiden Stämme hinweist.

Er hat verheissen, alle sieben oder alle hundert Jahre hervorzukommen; tritt eine solche Zeit ein, so vernimmt man Waffen durch die Lüfte rasseln, Pferdegewieher und Hufschlag; der Zug geht an den Glisborn, wo die Rosse getränkt werden, und verfolgt dann seinen Lauf, bis er nach vollbrachter Runde endlich wieder in den Berg zurückkehrt. Einmal gingen Leute am Odenberg und vernahmen Trommelschlag, ohne etwas zu sehen. Da hiess sie ein weiser Mann nacheinander durch den Ring schauen, welchen er mit seinem in die Seite gebogenen Arm bildete: alsbald erblickten sie eine Menge Kriegsvolk, in Waffenübungen begriffen, den Odenberg aus- und eingehen.

Dass in dem zweiten Teile der Odenbergsage von einem Siege Karls die Rede ist, muss missverständlich sein, jedenfalls durch die Mengung der Sage mit der Geschichte herbeigeführt; anderenfalls leuchtete nicht ein, warum jener zu fliehen und sich zu bergen genötigt ist. Karl ist seinem mächtigen Feinde unterlegen und weiss keinen anderen Ausweg, als sich mit dem Heere seiner Getreuen in den Berg zurückzuziehen. Es ist zweifelsohne der grosse Heidengott, welcher, in dem Niederschlage der alten Sage zu Kaiser Karl geworden, dem Christengotte weichen muss.

Das Sagengebilde spielt weiter, wie schon eben das Beispiel mit dem Armringe beweist. An gewissen Tagen soll der Odenberg den Menschen, besonders den Sonntagskindern, offen stehen. Wer dann durch die Öffnung in den Berg hineintritt, erblickt da die entrückten Männer, hervorragend unter ihnen einen alten langbärtigen Monn, welcher einen blinkenden Becher in der Hand hält, und wird reich beschenkt. Alle sieben Jahre hält Karl seinen Umzug, um nach dem Stande der Dinge zu schauen; es heisst, dass er dereinst für immer wieder aus dein Odenberge hervorgehen werde zu neuem Kriege und Siege. Das deutsche Volk konnte sich dem Gedanken nicht verschliessen, dass seinen geliebten, sonst so mächtig gewesenen Göttern wieder einmal in Zukunft die Weltherrschaft zufallen müsse. Bei Fränkisch-Gemünden wird erzählt, dass im Guckenberge (Berg des Altvaters Guogo?) vor Zeiten ein Kaiser mit seinem ganzen Heere versunken sei; er werde aber, wenn sein Bart dreimal um den Tisch, an welchem er sitze, gewachsen sei, mit seinen Leuten wieder herauskommen. Vortrefflich drückt hier das Wachsen des Barthaares die lange

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