Die Universität Rostock in den Jahren 1933-1945: Referate der interdisziplinären Ringvorlesung des Arbeitskreises Rostocker Universitäts- und Wissenschaftsgeschichte im Sommersemester 2011

Books on Demand, 3 . 2013 . - : 260
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Erstmalig seit 1945 hat sich im Sommersemester 2011 eine öffentliche Ringvorlesung mit der Geschichte der Rostocker Universität zwischen 1933 und 1945 befasst. Organisiert vom Arbeitskreis Rostocker Universitäts- und Wissenschaftsgeschichte, war das Ziel der Veranstaltung, dem Problem des Verhältnisses von politischer Macht und Wissenschaft in den Jahren 1933 bis 1945 nachzugehen. Die Zugänge zu der Grundproblematik sind sehr unterschiedlich, die Themen vielfältig und die Ergebnisse dahingehend beachtlich, dass mit ihnen erstmalig eine Vorstellung von einer Hochschule in der nationalsozialistischen Peripherie entsteht, deren Veränderungen nach 1933 alles andere denn peripher und doch eben peripher waren. Schwerpunkte des Bandes: Nach einem allgemeinen Teil über die Veränderung der Hochschulpolitik nach 1933 werden in einem ersten Abschnitt mit dem Zahnmediziner Hans Moral, dem Psychologen David Katz und dem Gräzisten Kurt von Fritz drei Rostocker Beispiele von vertriebenen und verfolgten Wissenschaftlern vorgestellt. Ein zweiter Abschnitt thematisiert das Problem der angepassten Wissenschaft. Dabei stehen der Dermatologe Heinrich Brill, der Ernährungswissenschaftler Werner Kollath und der Philosoph Pascual Jordan im Mittelpunkt. Ein dritter Komplex widmet sich der Rolle der Studenten. Und schließlich wird in einem vierten Teil mit dem Titel Schöner neuer Mensch ausgehend von der Frage der Utopien in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts das Wirken des Rostocker Rassenhygienikers Hermann Alois Böhm diskutiert und anhand der neuesten Rostocker Forschungen der Zusammenhang von Eugenik, Euthanasie und den Verbrechen in psychiatrischen Anstalten dargestellt. Unter den Autoren finden sich gleichberechtigt nebeneinander international ausgewiesene Wissenschaftshistoriker, historisch ambitionierte Fachvertreter einzelner in Rostock bestehender Disziplinen sowie Doktoranden und Studierende der Universität Rostock.

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 (2013)

Dr. rer. nat Gisela Boeck geb. Engel Chemiestudium in Rostock 1973-1977, Aspirantur an den Universitäten Rostock und Leipzig 1977-1980, 1981 Prom. Dr. rer. nat. mit der Arbeit Quantenchemische Berechnungen zur Thermodynamik chemischer Gleichgewichte, seit 1981 wissenschaftliche Mitarbeiterin bzw. geschäftsführende Assistentin am Institut für Chemie, Lehrbeauftragte für die Grundlagen der Chemie für Studierende der Humanmedizin, der Zahnheilkunde, der Medizinischen Biotechnologie, der Biomedizintechnik und des Maschinenbaus, Lehrbeauftragte für Geschichte der Chemie, Arbeiten zur Geschichte der Chemieunterrichts, zur Popularisierung der Chemie im 19. Jahrhundert, zur Rezeption des Periodensystems in Deutschland, zu Deutsch-Russischen Wissenschaftsbeziehungen sowie zur Universitätsgeschichte, seit 2003 Sprecherin des Arbeitskreises Rostocker Universitäts- und Wissenschaftsgeschichte (gemeinsam mit Prof. Dr. H.-U. Lammel, Mitglied im Vorstand der Fachgruppe Geschichte der Chemie und der Arbeitsgruppe Chemie für Mediziner der GDCh, Sachverständige am IMPP, Mitglied der Working Party on the History of Chemistry der European Association for Chemistry and Molecular Science und der Gesellschaft für Wissenschaftsgeschichte

Hans-Uwe Lammel Studium der Humanmedizin an der Berliner Humboldt-Universität, postgraduales Studium der Geschichte, Kunstgeschichte (18. und 19. Jahrhundert) und Philosophiegeschichte; Ausbildung zum Medizinhistoriker bei Georg Harig; Promotion in Berlin mit einem Thema aus dem Bereich der romantischen Medizin und Naturkunde; 2000 Habilitation für Geschichte der Medizin mit einem historiographiegeschichtlichen Thema in Rostock; seit 2006 Professor für Geschichte der Medizin in Rostock. 2004/05 Visiting Fellow am Internationalen Forschungszentrum Kulturwissenschaften in Wien (IFK); 2007/2008 Mitglied des DFG-finanzierten Netzwerkes Cliographie; seit 2008 Mitglied DFG-Graduiertenkolleg Kulturkontakt und Wissenschaftsdiskurs der Universität Rostock und der Hochschule für Musik und Theater Rostock; Mitglied des an der Universität von Tours (Frankreich) und an der London School of Economics beheimateten Netzwerkes Médecine en cour / Court Medicine. Seit 2003 gemeinsam mit Dr. Gisela Boeck Sprecher des Arbeitskreises Rostocker Universitäts- und Wissenschaftsgeschichte. Forschungsschwerpunkte: Frühneuzeitliche Gelehrsamkeit; Wandel von Hippokrates-Bildern 1500-2000; Seuchengeschichte; außereuropäische Krankenhäuser.