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werden und hat diesem Wunsche auch später entsprochen. Durch das dem Vorstande zustehende Recht der Zuwahl wird der Gymnasialdirektor Müller in Blankenburg in den Vorstand aufgenommen, wozu er seine Zustimmung giebt. — Der Kassenbestand des Vereins beträgt 6162,55 M.'), die Zahl der Mitglieder 1694. – Die oben erwähnten Vorschläge des Vorstandes über Ort und Zeit der nächstjährigen Versammlung und über die Gegenstände der Beratung werden von der Versammlung gut geheißen. Soweit dem Vorstande bekannt geworden, sind dem Vereine seit der leßten Jahresversammlung durch den Tod entrissen worden: Oberregierungsrat Dr. Carnuth-Königsberg, Geh. Justizrat Dr. Goldschmidt und Superintendent Hübner-Berlin; Oberbibliothekar Dr. Leitschuh- Bamberg; Geh. Mat Dr. Latt: mann-Göttingen; Superintendent Nonne- Hattingen; Geh. Rat Dr. D. RibbedLeipzig; Prof. Dr. Aug. Socin-Basel und Reichstagsabgeordneter Karl E. WeberHeidelberg. Die Versammlung ehrt das Andenken dieser Männer durch Erhebung von den Sißen.

Ein Schreiben des Geh. Hofrats Uhlig in Heidelberg teilt mit, daß er duro eine längere Studienreise nach Italien für das nächste Salbjahr verhindert jei, die Vereinszeitschrift „Das Humanistische Gymnasium“ zu redigieren; auf seinen Vor: schlag wird hiermit der Direktor Dr. Rübler in Berlin (W., Bellevuestraße 15) betraut, der sich hierzu auch bereit erklärt hat.

(Da ein durch Überanstrengung wieder hervorgerufenes Fußleiden Herrn Geh. Hofrat Uhlig hinderte, an der Versammlung teilzunehmen, hatte er einen seiner Söhne beauftragt, einige an die Versammelten gerichtete Worte zu verlesen. Infolge eines Mißverständnisses wurde nur der auf die Stellvertretung in der Redaktion bezügliche Teil zur Kenntnis gebracht. Wir geben daher hier die andern daran angeschlossenen Bemerkungen des bisherigen langjährigen Redaktors unserer Vereinszeitschrift in ihrem Wortlaut wieder:

„Die Mitgliederzahl des Vereins war im Anfang bedeutend größer als jeßt. Die nicht ganz unberechtigte Vorstellung großer Gefahr hatte im Dezember 1890 viele zu gemeinjainer An: strengung verbunden: Die Anmeldungen, die mir damals in Berlin zugingen, tamen von Mit: gliedern fast aller gebildeten Stände. Daß der Eifer solcher, die nicht dem Gymnasiallehrerstand angehörten, mit der Zeit abnahm, 'als man jah, daß es nicht so schlimm mit der Zukunft der humanistischen Lehranstalten stehe, ist wohl begreiflich. Aber auch manche Kollegen dieden aus, vielfach mit der Begründung, daß sie die Zeitschrift, auch ohne Mitglied zu sein, zur Verfügung hätten. Eine nicht geringe Anzahl von Mitgliedern entriß uns ferner der Tod. Aber in jüng. ster Zeit erfreuen wir uns wieder eines nicht unbeträchtlichen Zuwachses. Ich denke an die Gründung der Frankfurter Ortsgruppe, über die im letzten Heft berichtet ist, und die uns auch aus den Reihen der Nichtfachmänner eine erfreuliche Zahl neuer Mitglieder zugeführt hat. Sie giebt zugleich einen Hinweis darauf, mit welchem Mittel eine weitere Ausdehnung erzielt werden kann, und ich hoffe, daß von diesem Mittel auch anderwärts bald Gebrauch gemacht werden wird.

Die Redaktion der Zeitschrift, die jetzt der Vollendung ihres zehnten Jahrganges entgegens geht, ist hier und da durch Meinungsverschiedenheiten, wie sie übrigens zwischen verschiedenen Mitgliedern eines solchen Vereins ganz naturgemäß vorkommen, etwas erschwert worden. Die stärksle Differenz betrifft den Wert der Reformschulorganisation. Ich bin mir bewußt, hier gegenüber andersdenkenden Vereinsmitgliedern stets durchaus jachlich verfahren zu sein, und ich hoffe, daß

1) Am 31. VII. 1898 betrug das Vereinsvermögen 5999,02 M. (fiche Human. Onmi. 1898, S. 114 Anm.). Von da bis zum 22. IX. 1899 gingen ein art Mitgliederbeiträgert 2738,96 M., Zuwadis an Bankzinjen 151,36 M., Summa 8889,34 M. - Die Ausgaben für Herausgabe und Versendung des Humanistischen Gymnasiums III/98-11/99 beliefen sich auf 2726,79 M. – Das Vermögen des Gymnasialvereins beträgt demnach am 22. IX. 1899: 6102,55 N.

persönliche Gereiztheit zwijchen denjenigen Reformschulfreunden und den Reformjdulgegnern, die unserem Verein angehören, allmählich ganz ichwinden wird, wenn man von beiden Seiten anerkennen wird, daß Wahrung und Hebung der humanistischen Schulstudien das Ziel ist, nach dem wir alle streben. Auch daß die Unterrichtsverwaltungen nicht immer mit dem Gebotenen zufrieden waren, ist nicht unnatürlich. Um so erfreulicher ist, daß dieselben zum großen Teil dauernd der Zeitichrift entschieden Aufmertjamkeit schenkten, wie ich durch manche Zuschrift amtlicher und persönlicher Art erfahren habe. Insbesondere das preußische Kultusministerium hat uns wiederholt Beweis der Beachtung gegeben, wie denn z. B. auf Zusendung des II. Heftes vom Jahr 1896 die Äußerung erfolgte: Das Heft enthalte von Anfang bis zu Ende eine Fülle anregender und wichtiger Mitteilungen, die für die preußische Unterrichtsverwaltung gerade jeßt ein lebhaftes Interesse und Anlaß zu sorgfältiger Erwägung böten. Auch werden seit dem Jahr 1891 von dem genannten Ministerium eine größere Anzahl Erems plare jeder Lieferung bezogen und an verschiedene Gymnasien versandt. Eine ausgedehntere Verbreitung der Zeitschrift scheint übrigens auch dadurch erzielt zu sein, daß in den letten Jahren mehr als früher auch die Standesfragen Berücksichtigung erfahren haben. Auch die Vermögensverhältnisse des Vereins haben sich, wie aus dem Bericht des Kassiers hervorgeht, leidlich günstig gestaltet.

Die Sache selbst aber, für die wir in erster Linie streiten, hat nach meiner Überzeugung in der legten Zeit an Sicherheit gewonnen, großenteils infolge der Verkehrtheit von Gegnern, deren lächerlicher Radikalismus manchen die Augen geöffnet, manchen Lässigen zum Widerstand angereizt hat. Doch noch immer gilt im allgemeinen, was in einem Rundschreiben unseres Vors standes vor einiger Zeit ausgesprochen wurde, daß vonseiten der humanistisch Gesinnten zu wenig geschieht zu dem Zwed, unserem Vaterland ein Gut zu wahren, dessen Verlust für unsere geistige Kultur von verderblichster Wirkung sein würde. Wir hoffen, das 20. Jahrhundert sieht den Eifer in unseren Reihen nach Umfang und Kraft vermehrt.“)

Es folgt der Vortrag des Direktors Dr. H. F. Müller aus Blankenburg über das Thema:

In welchem Umfange ist schriftliche und mündliche übung in der Anwendung der alten Sprachen eine unerläßliche Bedingung für das sichere Verständnis der Schriftsteller, und inwieweit ist sie auch

an sich von bleibendem Werte? Meine hochgeehrten Herren! Es ist nicht angenehm, über Dinge zu reden, die sich von selbst verstehen und eines Beweises überhaupt nicht bedürfen sollten. Mein Thema ist mir aber vom Vorstand unseres Vereins gestellt worden, ohne Zweifel in der Annahme, daß nach den Bestimmungen der neuesten preußischen Lehrpläne die lateinischen und griechischen Schreibübungen zu kurz kommen und überall da, wo diese Lehrpläne herrschen, die Leistungen unserer Schüler in den alten Sprachen zurückgehen. Die Wahrnehmung ist richtig und wird auch durch Stimmen aus andern als philologischen Kreisen bestätigt. Virchow, gewiß ein unverdächtiger Zeuge, beklagt den Niedergang der humanistischen Studien und damit das Sinken des Bildungsniveaus, des wissenschaftlichen Geistes. Mit scharfen Worten tadelt er die grammatische Unwissenheit seiner Studenten: wenn alle Grammatik „hinausgeschmissen und in den Rauch gehängt werde“, so fehle den jungen Leuten ein sehr wertvolles Schulungsmittel des Geistes. Nach dem Schmerzensschrei, den Tobler und v. Richthofen ausgestoßen haben, scheint es mit der französischen und englischen Grammatit auf den Realschulen nicht besser bestellt zu sein.') Begreiflich genug. Denn die neuen Lehrpläne waren ein Feldzug gegen die Grammo: tif, vornehmlich gegen die griechische und lateinische, oder, um nicht zu viel zu sagen, gegen den Grammaticismus, einen bereits geschwächten, abziehenden Feind. Abusus sustulit usum. Lateinische Grammatik und Schreibübungen fristen auf den oberen Stufen ein kümmerliches Dasein, die griechischen Stripta „entfallen ganz“. Die Grammatif foll lediglich der Lektüre dienen, aber kräftige Dienstleistungen sind ihr durch die Einschnürung fast unmöglich geworden. So macht man den Zweđ illusorisch durch Verstümmelung des Mittels. „Die Feinde der Grammatik sind auch die Verderber der Lektüre“. Es wird jeßt nicht mehr, sondern weniger gelesen als früher, und dies Wenige vielfach weniger gründlich und sehr viel mühjamer. Wer jezt einigermaßen gründlich lesen will, muß in der Lektürestunde nachholen, was er früher aus der Grammatikstunde, den Erercitien und Ertemporalien als betannt vorausseßen durfte. Nur „mer die Grammatit in ihren Stunden pflegt, wird sie in der Lektüre nicht zu lehren brauchen".") Die Grammatik muß aber ihre Stunden haben, und die Überseßungen aus der deutschen in die alte Sprache find in größerem Umfange, als die preußischen Lehrpläne vorí reiben oder gestatten, zu pflegen: sonst haben sie keinen rechten Zwed und dienen der Lektüre nicht, wie sie sollten und könnten.

1) Virchow in der 42. Sizung des Preußischen Abgeordnetenhaujes vom 13. März 1899. Als Eraminator hat er den Eindruck empfangen, „daß wir uns in einer Periode des entidiedenen

Doch die Lehrpläne reden ja in schönen Worten vom Werte der Grammatik, und ich will mich in eine undankbare Polemit nicht weiter einlassen. Heißt es

Niederganges der allgemeinen Bildung unserer höheren Schüler befinden“. Dann fährt er wört: lich fort: ,,Dieser Niedergang hängt ja in einem nicht ganz kleinen Teil zusammen mit dein Bers fall derjenigen Grundlage, auf welcher seit ein paar Jahrhunderten die ganze deutsche Bildung geruht hat, der klassischen. Man mag über den Wert der klajjijden Bildung urteilen, pie man will, wir müssen doch hervorheben, daß diese Studien der allgemeine Grund gemeien sind, auf dein die allgemeine deutsche Bildung jich erhoben hat... Wir waren stolz darauf, damit einen festen Grund für eine gemeinjame Verständigung zu haben. Das wird allmählich immer schwächer, je mehr die klassischen Studien in den Hintergrund gedrängt werden. Die Grammatik wird jetzt immer mehr zurüdgedrängt; es ist mir schon vorgekommen, daß meine Eraminanden jagten: ,,Ja, Grammatik haben wir gar nicht mehr gelernt“. Sie gaben mir zu verstehen, daß das ein antiquierter Standpunkt sei. Das hat alles jeine zwei Seiten. Ich habe jelbst gegen die Ercesje der Grammatiker gekämpft; aber ich muß doch auch sagen: ohne Graminatit giebt es feine Sprache. .. Wenn bei uns ein Gynäkologe von Fach für cervix uteri jagt der cervix uteri“, so berührt das schon etwas schmerzlich. Denn als Fachgelehrte sollten wir doch wisjen, daß cervix Femininum ist. Schlimmier aber ist es noch mit der allgemeinen Grammatif. Wenn alle grainmatijden Regeln ichließlich in den Kaucjang gehängt werden, so wird das eine sehr einseitige Bildung. Ich würde es daher bei aller Achtung vor der realistischen, der natur: wissenschaftlichen Richtung doch tief beklagen, wenn die Regierung ihre gelehrten Schulen nicht auf der Vöhe derjenigen Bildung halten könnte, welche der Humanismus hervorgebracht hat, der unsere ganze Kultur gemacht hat.“ Virchow beklagt dann den Mangel an Logit bei Studierenden und Studierten und fährt fort: „Wird aus den Gymnasien die Grammatif gänzlid berausge: ichmijjen und die Logit auch, jo entbehrt man zwei der wichtigsten Schulungsmittel für die Jugend, die wir bisher gehabt haben“. (Vojsische Zeitung vom 14. März 1899, Nr. 123, Morgenausgabe.) --Prof. Dr. Tobler in der Chronit der Berliner lIniversität für das Rechnungsjahr 1898 99 (Vojlische Zeitung vom 6. Aug. 1899, Nr. 365, Morgenausgabe). - Prof. Dr. v. Richthofen in seinem Berichte über das geographische Institut hat wahrgenommen, daß es mit dem Engliiben bei den Berliner Studierenden noch viel schlechter als mit dem Französiden bestellt ist. (Voinice Zeitung vom 8. Aug. 1899, Nr. 367, Morgenausgabe.)

1) Rothfuchs in den Verhandlungen der 20. Direktoren-Verjammlung in der Provinj Westfalen 1881, S. 52. Ebenda S. 53 der Berichterstatter von Siegen: „Das Studium der alten Sprachen wird immer unfruchtbar bleiben, wenn es in minutiöjer grammatischer Aus. bildung sein höchstes Ziel erblidt und die Lektüre als Beijpielsammlung der grammatijden Kennt: nijje betrachtet; ebenso gewiß ist es aber auch, daß eine Oberflächliche, geringidäßige Behandlung der Grammatik, ein übereiltes Streben, den Inhalt der antiten Litteratur ohne diese Grundlage zu erschließen, sich unfehlbar mit mangelndem Verständnis und ewiger Unsicherheit rächen wird.“ dann doch gleich: Du bist Peffimist, und ein Pessimist taugt nicht zum Lehrer der Jugend! Mag sein, ich bin untauglich genug. Indessen, über wohlbezeugte That= jachen lasse ich mich durch keinen Optimismus hinwegtäuschen, und das sage ich gleich im voraus: wenn einige Meister in ihrem Fach trok alledem und in souveräner Nichtbeachtung bestehender Vorschriften auch heute noch etwas Erkledliches leisten, so beweist das gar nichts. Lehrordnungen sollen für den Mittelschlag der Köpfe unter Lehrern und Schülern berechnet sein. Und eine Thatsache erlaube man mir als lehrreiches Beispiel noch anzuführen.

1850 schrieb Müße Il in seiner Zeitschrift: „Je mehr die Kompositionsübungen im Latein und Griechischen zurüdtreten, um so ungründlicher wird das Verständnis der Schriftsteller, um so unsicherer die logische Bildung, um so schwächer die Entwidelung des wissenschaftlichen Geistes, um so mangelhafter die Vorbildung zum Verständnis der Muttersprache und der modernen Kultur“. Noch 1881 citiert Rothfuchs diese Worte als Nothelfer zur Rettung des bedrohten griechischen Ertem= porale. Hört dieses auf, sagt er, „so wird gründliches Verständnis der griechischen Sprache auf dem Gymnasium aufhören. Wer dies verhüten will, der helfe es uns erhalten!“ 1)

Schon 1871, als so etwas von Abschaffung des griechischen Skriptums in der Reifeprüfung verlautete, hatte Boniß seine warnende Stimme erhoben, um einen so „schweren Schlag" von unsern Gymnasien abzuwenden. Er wollte nichts wissen von allen Beschönigungen, von dem schmeichelhaften Vertrauen zu der didattischen Kunst des Lehrers und einer allheilenden Methode, auch nichts von dem Beschwichtigungsversuch durch ein sogenanntes Versekungsertemporale von Obersekunda nach Prima. Und 10 Jahre später mußte derselbe Mann, eine kleine List des Zeitgeistes, die Abschaffung des griechischen Skriptums im Abiturienteneramen und das Surrogat des Versezungsertemporale verfügen! Jetzt find wir auf der schiefen Ebene soweit hinabgeglitten, daß wir auf der Oberstufe keine griechischen Schreibübungen mehr anstellen dürfen, sondern in Untersekunda damit abschließen müssen. Warum auch nicht? Untersekunda ist ja die Klasse der ,,Abschlußprüfung“.

Als Boniß für das griechische Skriptum als Schlußleistung und damit für den „wahrhaft gymnasialen Charakter des griechischen Unterrichts" so warm und entschieden eintrat, fingen wir mit 6 St. in Quarta an und hatten 42 St. zur Verfügung. Die Lehrpläne von 1882 gewährten in den Tertien und Sekunden noch je 7 St., im ganzen 40; dabei forderten sie auch in Prima grammatische Repetitionen und Schreibübungen. Jeßt haben wir nur 36 St., und wer jeßt noch glaubt, die in den mittleren Klassen erworbenen Kenntnisse in der Formenlehre und Syntar würden in den oberen ein sicherer Besik bleiben, der kann mir leid thun; ich thue mir selbst leid. Am meisten aber bedaure ich die Schüler, die mit ihren unsichern und lüdenhaften grammatischen Renntnissen Thukydides und Platon, Demosthenes und Sophokles lesen sollen. Da es ohne Beherrschung der Formen und syntaktischen Regeln nun einmal nicht geht, so ergeben sich zwei Möglichkeiten: entweder der Lehrer springt überall ein, dann ist es kein lesen mehr seitens der Schüler; oder die fehlenden grammatischen Kenntnisse werden ad hoc ergänzt, dann ist es auch kein Lesen mehr und der Schriftsteller wird jämmerlich mißhandelt.

1) Rothfuchs a. a. D., S. 92 u. 93.

Wie im Griechischen, so im Lateinischen. Nun tritt gerade das ein, was der: mieden werden soll. Dagegen helfen alle stolzen Worte von methodischer und didaktischer Runst nichts, dagegen hilft allein das Erlernen und Einüben der Grammatik. Zum dauernden Eigentum, zu einem prompten Besiß, einer firma stabilisque facilitas (SELS) werden die Formen und Geseke einer fremden Sprache nur durch planmäßiges und Fleißiges Überlegen aus der eigenen Sprache in die fremde. Es genügt nicht, daß die Wörter, die Wortformen und Wortverbindungen einmal gewußt sind und notdürftig erkannt werden, noch weniger thut's das Uus: zeigen“ und „ Anschauen“, sondern sie müssen fest und lose zugleich fißen, so das der überseßende Schüler zum sichern und leichten Wiedererkennen (avar vószsıy), d. h. zum geläufigen Lesen über sie verfügt; und gerade zum Erwerb dieser Fähigkeit wird es wesentlich beitragen, wenn er die Formen selber bilden, die Regeln selber anwenden, wenn er mit ihnen operieren gelernt hat. „Die Nachbildung der fremden Formen und ihr Selbstgebrauch weckt und schärft die Auffassung des Vorbildes in ganz eigentümlicher Weise.“ 1) Die „beobachtende“ und die „, befehlende“ Grammatik müssen Hand in Hand gehen.?) „Für den Bildungsgehalt der Sprachlehre kommt ihre technische und ihre eregetische Seite gleicherweise in Betracht. Verstehen und Produzieren, Aufnehmen und Selbstmachen, Rennen und Können hängen auf diesem Gebiete nicht minder eng zusammen als auf dem der Kunst. Schreiben- und Redenkönnen erschließt ebenso das Ver: ständnis von Sprachwerken, wie musikalische und graphische Fertigkeit das Verständs nis von Werken der Tonkunst und Malerei. Die Grammatik darf den Charakter als Sprachkunstlehre nicht ablegen, wenn nicht auch ihre Leistung als deutende Disziplin gefährdet werden soll.“ 2) Bei der Exposition erscheint die Sprache als eine „Gesamtheit zu deutender Erscheinungen“, bei der Komposition als eine „Gez samtheit anzuwendender Mittel“. Beide Seiten muß jede ins Innere dringende Sprachbetrachtung gleichmäßig pflegen. „Die Werke der Litteratur kann doch nur verstehen, wer ihre Sprache versteht; dahin aber wird der niemals gelangen, der sie immer bloß von der einen Seite her betrachtet.“ 3)

Schriftstellerlektüre und grammatische Übungen dürfen nicht nebeneinander hergehen wie zwei Ströme, deren jeder sein besonderes Wasser hat; sie sollen zu gegenseitiger Befruchtung in ein Bette geleitet werden. Darüber haben Schrader und mit und nach ihm viele einsichtige Schulmänner so vortrefflich geschrieben, das ich weiter nichts zu sagen brauche. Ich empfehle nur das altbewährte Retrovertieren und Variieren aufs neue, ebenso mit Melanchthon und Schrader das Jmitieren: imitatio sicut aliarum rerum artifices ita et eloquentes efficit. Andererseits warne ich vor einer allzu engen Anlehnung an den Autor, so daß die Stripta „fast nur“ Rüdüberseßungen und bloß gedankenlose Gedächtnisübungen, aber keine selbständigen Leistungen sind. Die Kunst, den aus dem Schriftsteller entlehnten

1) Schrader, Erziehungs- und Unterrichtslehre, 5. Aufl. 1893, S. 605.

2) uhlig, Humanistisches Gymnasium III, 1. 1892, S. 34 u. 35. Willmann, Didat: tit II, 91 ff.

3) Cauer, Grammatica militans unter III. Analyse und Syntheje, S. 32 u. 33.

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