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nicht wohl anders, als mich ebenfalls an der Diskussion beteiligen. Ich that es, indem ich zunächst gleichfalls hervorhob, wie man nur auf Grund ausgedehnter zu= friedenstellender Erfahrung berechtigt sein könne, über die Reformschulgestaltung ein günstiges Urteil zu fällen: denn jeder ältere Schulmann wisse, wie verschiedene Resultate sich bei der gleichen Organisation unter verschiedenen Umständen ergeben. Dann erlaubte ich mir von dem, was ich während einer ganzen Reihe von Jahren an einer höheren Lehranstalt mit dem lateinlosen Unterbau erlebt, sowie von meinen vergleichenden Beobachtungen am Goethegymnasium und an preußischen Nors malgymnasien zu sprechen, und erklärte, daß, so lebhaft und aufrichtig ich Rein: hardt's und seiner Kollegen Leistungen anerkenne, ich gleichwohl nach jenen Erfahrungen und Beobachtungen die Frage, ob die sogenannte Reformschulorganisation didaktisch der geltenden Lehrplangestaltung vorzuziehen und zu allgemeiner Einführung zu empfehlen sei, mit einem ganz entschiedenen Nein beantworten müsse. Im Besonderen bemerkte ich, daß ich aus den Äußerungen des H. Dir. Bartels den Eindruck gewonnen hätte, er unterschäke, was an Berliner Gymnasien geleistet werde: ich hätte in den leßten Tagen an mehreren dieser Anstalten Unterrichtsergebnisse gefunden, die das am Goethegymnasium von mir Beobachtete überträfen. Übrigens ging ich auf die Einzelheiten der Erörterung des Kollegen Bartels nicht näher ein, weder auf die Meinung, daß durch das Latein den untersten Stufen allzu schwierige Aufgaben gestellt würden, noch auf die Ansicht, daß das Französische als grundlegende Sprache gleichwertig mit dem Latein oder gar wertvoller sei. Ich nahm mir die Freiheit, statt dessen auf die Auseinanderseßung im vorausgehenden Heft der Zeitschrift zu verweisen, und glaube auch jeßt, dort meine Ansichten in genügender Weise dargelegt zu haben. Nur auf einen Punkt möchte ich hier noch zu sprechen kommen.

Dir. Bartels hat auch auf die hervorragende Arbeitsfreudigkeit der Goethe: gymnasiasten hingewiesen und sie auf Rechnung des Umstandes geschrieben, daß sie erst in mittleren Klassen das Lateinische beginnen. Ebenso ist auch von anderen, die die Reinhardtsche Anstalt besuchten, der Eifer, mit dem Tertianer sich dort dem Latein widmen, hervorgehoben worden mit einem Seitenblick auf die Gymnasien mit Normallehrplan, wo das Interesse für die alte Sprache auf der Stufe der

Tertia lange nicht so groß sei. Aber ist es gerecht, Schüler, die eine Sprache beginnen, mit solchen zu vergleichen, die sie im vierten Jahre treiben? Wird gan; der große Reiz vergessen, den alles Neue auf die Jugend übt? Man stelle die

Tertia des Goethegymnasiums mit der Serta eines Normalgymnasiums, die einen guten Lateinlehrer und die ein leidlich gutes Schülermaterial besigt, zusammen, und es ist sehr fraglich, wo der größere Eifer gefunden werden wird. An der Anstalt, der ich jeßt über 25 Jahre diene, sind mir nicht wenige Serten mit den genannten beiden Eigenschaften vorgekommen und dort dann eine Lust und ein Wetteifer in den lateinischen Lehrstunden entgegengetreten, die durch das Bild, welches mir die Tertien der Goethegymnasien boten, feineswegs übertroffen werden. Ebenso habe ich genug französischen Anfangsunterricht in Quarta und griechischen in Untertertia beobachtet, die den Eindruck gespannter Teilnahme der Sküler machten. Und der Wirklichkeit keineswegs entsprechend ist auch die Meinung, die hier und da bei Gegenüberstellung der Reform- und der Normalgymnasien zu Tage getreten ist, als ob die ersteren Anstalten durch ihren Lehrplan geeignet seien, den Tertianer zu einein ungleich lebendigeren Anteil an den Darstellungen vom gallischen Kriege zu führen. Welcher Art dieser Anteil ist, hängt wesentlich von dem Lehrer ab. Ist der danach, so wird er seine Schüler für das von Cäsar vorgeführte Drama lebhaft interessieren, auch wenn diese noch häufig mit ganz elementarer Unkenntnis in lexikalischer und grammatischer Hinsicht zu kämpfen haben. Ist der Lehrer nicht danach, so kann auch solchen Schülern der Cäsar langweilig werden, die die sprachlichen Elemente überwunden haben. Ein tüchtiger Lehrer aber wird mit solchen Schülern das Beste erreichen, und sehr rege Teilnahme für die Entwidlung der erzählten Ereignisse und für die geschichtlichen, topographischen und militärischen Fragen, die sich bei der Lektüre des bellum gallicum erheben, habe ich unzählige Male von Tertianern, die als Sertaner das Latein begonnen hatten, (außer Anderem durch freiwillige Herstellung von Zeichnungen und Modellen) bethätigt gesehen. Die von mir auf allen Stufen des Goethegymnasiums wahrgenommene Arbeitsfreudigkeit seiner Zöglinge hat andere Urjachen als das Reformsystem. Es sind vor Allem die große Tüchtigkeit der Lehrträfte und der Wetteifer der Schüler, wie er sich, Gott sei Dant, überall, wo die Majorität aus gut beanlagten Zöglingen besteht, einzustellen pflegt. Ferner wirkt zweifellos mit die Vorstellung, die infolge der vielen dem Reinhardtschen Gymnasium gewidmeten Besuche in den Gemütern der Schüler notwendigerweise herrichend geworden ist, daß von ihnen etwas Besonderes geleistet werde, geleistet werden müsse. Und wenn ihre ungenierte Frische, wie sie allen Besuchern entgegentritt, hervorgehoben worden ist, so muß man, meine ich, auch daran denken, daß diese Knaben in der That reichliche Gelegenheit hatten, inspektionsfest zu werden.

Direktor Bartels erwiderte auf meine Bemerkung bezüglich seiner Schäßung der Unterrichtsergebnisse an den Berliner Gymnasien, daß es ihm völlig fern gelegen habe, die Leistungen an jenen Anstalten herabzusehen, deren einer er selbst so viel verdanke. Er bekannte sich zugleich als warmen Freund der humanistischen Schulbildung und gab seiner Meinung von ihrem höheren Wert gegenüber der Realschulbildung Ausdruck. Aber gerade auch für den klassischen Unterricht erwarte er sich von dem Reformgymnasium einen Fortschritt, da hier das Lateinische und das Griechische wieder mit größerer Stundenzahl in den mittleren und oberen Alasjen aufträten.

Hierauf schien auch mir notwendig, zum zweitenmal das Wort zu nehmen. In Bezug auf die Schäßung des Gymnasiums und der Oberrealschule vertrat ich, abweichend von Kollege Bartels, die Meinung, welche ich oben S. 24 und 74-75 ausgesprochen habe. Weiter wies ich darauf hin, daß, wenn man von der Bewährung der Reform am Goethegymnasium oder der sicheren Hoffnung solches Bewährens rede, man doch bedenken möge, daß in der That jeßt erst die Schwierigkeiten dort beginnen, jeßt, wo sich zeigen soll, ob die in Aussicht genommene griechische Lektüre wirklich in einer ihrem Zweck entsprechenden Weije bewältigt werden kann, wo sich zeigen soll, daß auch das Lateinische die ihm obliegende erziebliche Aufgabe zu erfüllen vermag, daß weder die Wirkung der Geschichte noch die der Mathematit unter der Verkürzung der ihnen gewidmeten Zeit notleidet, daß es den Schülern von Obersekunda an möglich bleibt, ordentlich Englisch zu lernen, daß troz der Vermehrung der obligatorischen Stunden und der größeren Anstrengungen, die im Reformgymnasium der klassische Unterricht der obersten Klassen erfordert, eine Überbürdung auch bei mittelmäßig Begabten nicht eintritt. Gegenüber der jo oft in Zeitungen verkündeten Nachricht endlich: man erreiche offenbar am Goethegymnasium im Lateinischen und Griechischen die gleichen Ziele, wie an den anderen Gymnasien, ichien es mir am Plak, die überzeugung kurz darzulegen, die ich oben S. 17 und 19 zum Ausdrud gebracht habe, daß es für die Durchbildung des Geistes keineswegs allein darauf ankommt, daß man bei einem Wissensziel an= langt, sondern sehr viel mehr noch darauf, wie man den Weg zu ihm zurüdlegt, ob die einzelnen Unterrichtsgegenstände dabei wirklich den erziehenden Einfluß üben, den sie auf die Schüler haben sollen. Ich bin dabei weit entfernt von der Meinung, daß am Goethegymnasium nur auf die Erreichung der reglementarisch vorgeschriebenen, durch eine Prüfung Festzustellenden Leistungen hingearbeitet werde, daß man dort den eben bezeichneten pädagogischen Zweck ganz außer Acht lasse. Wohl aber konnte ich aus eigener Erfahrung sagen, daß es bei einer Organisation, wie sie die Frankfurter Anstalt hat, auf mehr als einem in erziehlicher Hinsicht hochwichtigen Un= terrichtsgebiet beim besten Willen unmöglich ist, jenen Zwed in dem wünschenswerten Maß zu erreichen.

Es folgten auf diese Debatte noch eine Anzahl Bemerkungen von verschiedenen Seiten, namentlich über den Betrieb des mathematischen Unterrichts, auch einige des Vorsißenden, Prof. Lorking, der sich gleichfalls gegen die Art wandte, wie Dir. Hubatich gesucht hatte, das Französische als geeigneter für den grundlegenden fremdsprachlichen Unterricht zu erweisen. Die Diskussion abschließend, erklärte Herr Lorking endlich, daß bei dem starfen Gegensaß der Ansichten, der diesmal, wie in der vorigen Vereinssizung zu Tage getreten sei, von einer Beschlußfassung Abstand genommen werden müsse, daß aber sicherlich die eingehende Besprechung anregend und belehrend gewirkt habe.

Natürlich war oft auch bei anderen Gelegenheiten während meines Berliner Aufenthalts die Unterbaugestaltung des höheren Unterrichts Gegenstand meiner Bes sprechung mit Schulmännern. Ich will die abweisenden Urteile von Solchen, die eine Reformanstalt nie gesehen, bei Seite lassen; doch wichtig scheinen mir die Meinungen zweier Männer, von denen dies nicht gilt. Der Direktor des Dorotheenstädtischen Realgymnasiums, Prof. Dr. Schwalbe, hat das Goethegymnasium besucht und äußerte sich durchaus ablehnend gegen die Organisation, auch gegen ihre Anwendung auf Realgymnasien. Noch wichtiger war mir das Urteil von Prof. Dr. Junge, der seit Ostern 1897 Direktor des Friedrichs-Werderschen Gymnasiums ist, früher eine Reihe von Jahren Direktor der Oberrealschule in Magdeburg war, einer Anstalt, wo, mie in der bekannten Altonaer, neben den lateinlojen Klassen von U. III an Realgymnasialklassen liegen (die Untertertia mit Latein wurde Ostern 1887 eingerichtet) und wo die Leistungen der lateinischen Abteilung wiederholt, z. B. nach einer Inspektion des Hn. Geheimerats Höpfner, die vollste Anerkennung vonseiten der Unterrichtsverwaltung erhalten haben. Direktor Junge hatte sich trotz der in Magdeburg erzielten Erfolge schon in der Februar: sigung des Berliner Gymnasiallehrervereins mit Entschiedenheit gegen den lateinlosen Unterbau bei Realgymnasien wie bei Gymnasien ausgesprochen und unter Anderem auch den Nachteil hervorgehoben, der für die Oberrealichulklassen aus den danebenlaufenden Realgymnasialklassen dadurch entstehe, daß in diese stets fast alle tüchtigen Schüler wanderten und so für die Oberrealschulabteilung ein unerfreulicher Rest übrig bleibe. Jn der Märzsißung des Vereins war Herr Junge nicht zugegen, in einem Gespräch mit mir aber begründete er die Verwerfung der Altonaer und Magdeburger Organisation auch in der Weise, daß er erklärte, der Uns terricht in der realgymnasialen Abteilung habe ihm den Eindruc einer Treibhauspflanze gemacht, ein Urteil, das mit dem von mir S. 17 über den Aarauer Gymnasialunterricht gefälten bis auf den Ausdruck übereinstimmt.

Ich zweifele nicht, daß mit der Vermehrung der Zahl der Reformanstalten auch die aus Erfahrung geschöpften nicht günstigen Urteile über die Organisation sich mehren werden.

Schließlich mögen noch aus der jüngsten Zeit stammende, offizielle Äußerungen zweier deutscher Kultusminister in der Reformschulfrage mitgeteilt werden.

In der Sißung des preußischen Abgeordnetenhauses vom 30. April wurde Herr Dr. Bojie von dem Abg. Gothein und Genossen interpelliert, warum die Kgl. Staatsregierung die Genehmigung eines von den städtischen Behörden in Breslau beschlossenen Mädchengymnasiums versagt habe. Jn der Begriindung der Interpellation wurde von dem genannten Abgeordneten darauf hingewiesen, daß für den Lehrplan dieser Anstalt „die Form des Reformgymnasiums mit einer kleinen Abweichung gewählt“ worden sei. Mit Bezug auf diesen Hinweis erwiderte jodann der Minister, daß die Lehrplangestaltung des Goethe-Gymnasiums ein bisher durchaus noch nicht abgeschlossenes Erperiment sei, da man zur Zeit in Frankfurt erst bis zu den Sekunden gekommen. „Wir können also noch gar kein abichließendes Urteil darüber haben, ob das Erperiment vollständig gelingen wird. Und dazu kommt noch, daß wir in Frankfurt ganz ungewöhnliche Verhältnisse haben. Wir haben dort ein Elitelehrerkollegium und eine ganz außerordentlich tüchtige, besonnene, für die Sache eingenommene, erfahrene, zielbewußte Leitung. Und doch selbst in Frankfurt, von wo aus die ganze Bewegung zu Gunsten des Reformgymnasiums ausgegangen ist, haben wir in neuester Zeit für die Oberstufe den Lehrplan schon ändern müssen. Also wir haben die beste Hoffnung für den Frankfurter Versuch; aber er ist und bleibt zur Zeit ein durchaus noch unbewähr: tes und noch nicht abgeschlossenes Erperiment. Nun, m. H., liegt es doch auf der Þand, wie große methodische und pädagogische Bedenken dagegen sprechen, eine solche noch gar nicht einmal abgeschlossene Schulform in ziemlich mechanischer Weise auf ein Mädchengymnasium zu übertragen.“

Am 28. nnd 29. März fand in der bayerischen Kammer der Abgeordneten eine Verhandlung über Fragen des höheren Unterrichts statt, die keineswegs blog für Bayern von Interesse ist. Gegenstände derselben waren unter Anderem die neuen erperimentellen Untersuchungen über geistige Ermüdung, die Prüfung am Ende der Untersekunda, die Berechtigungen für die Realgymnasialabiturienten, das Mädchengymnasium, die Besserung der äußeren Lage der Lehrer. Wir gedenken in einem der nächsten Hefte mehreres aus diesen Erörterungen auszuheben; dies: mal nur die Mitteilung, daß der Staatsminister des Innern für Kirchen- und Soulangelegenheiten, verr Dr. von Landmann, sich in entschiedenster Weise gegen die Reformgymnasien aussprach, weil mit ihrer Einführung die Art an die Wurzel der humanistischen Schulstudien gelegt werden würde, und daß er, ohne Widerspruch zu finden, beifügte, nur zwei Mitglieder des Abgeordnetenhauses jdienen der Unterbauorganisation günstig gesinnt zu sein.") G. Uhlig.

an

Deutsche Nationalfefte. Entà èp?op.aivous! TÓNSLE ..... Ja, so viele Orte stritten, wie einst um die Ehre, Homers Geburtsort zu sein, jo jeßt um die, der Geburtsort der deutschen Nationalfeste zu werden: Cajjel, Frankfurt a. M., Goslar, der Kyffhäuser, Leipzig, Mainz, der Niederwald. Und, was beim antiken Streit fehlte, daß die verschiedenen Orte Vertreter zu einem 2ywy entsandten, um durch Rede und Gegenrede eine Entscheidung herbeizuführen, – bei dem modernen Streit fand es statt, und am 16. Januar d. 3. in einem Saal des Heichstagsgebäudes zu Berlin im Verlauf von sechs Stunden wurde gesehen, geredet, gehört und beschlossen.

Es waren von den Mitgliedern des Ausschusses für die Nationalfeste etwa 60 aus allen Teilen Deutschlands erschienen, Vertreter der verschiedenen parlamentariichen Parteien, der verschiedensten Berufe, auch Repräsentanten deutscher Vereine für Leibesübungen. Die deutsche Turnerschaft hatte zu Leitern der Abteilung für Turnen den Professor Dr. Hahn von Hamburg, stellvertretenden Vorsißenden der deutschen Turnerschaft, und den Professor Reßler von Stuttgart, Vorsißenden des technischen Unterausichusses, bestimmt, die als Gäste eingeladen und anwesend waren. Ebenso nahmen auf erfolgte Einladung an den Beratungen Vertreter des Reichskanzlers, des Staatssekretärs des Innern und des Äußeren, des Kultusministers und des Kriegsminister 3 Teil.

„Es wurde gesehen“, sagten wir: nämlich eine Fülle von großen Gemälden, Zeichnungen, Relieffarten zum Zweck der Veranschaulichung und Empfehlung der

1) Auf ein späteres Heft veriparen wir uns auch die nochmalige Besprechung der Anjicht, daß die Reformanstalten wesentlich billiger sein würden, und des Verlangens kleinerer Städte nach einer jolchen Schule als einer alle höheren Unterrichtsbedürfnisse befriedigenden Anstalt. ubrigens halten wir, was wir in der Schrift über die Einheitsschule S. 70–74 über diese Punkte gejagt, durchaus aufrecht.

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