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nicht bloß auf die intellektuelle Seite der Bildung erstrecke sich die Bedingtheit der Universität durch das Gymnasium, sondern in noch höherem Maße auf die Ausbildung des Charakters. Die akademische Freiheit, ein großes Gut, das die deutschen Hochschulen nimmer missen möchten, wolle nicht allein genossen, sondern er: tragen und verwertet sein. Vor Allem in dieser Richtung sei das Gymnasium berufen, auf die Universität vorzubereiten, indem es dem jungen Menschen ein lebendiges Interesse an dem, was er treibt, einflöße und – was noch schwieriger, aber auch noch wichtiger – ihm ein Lebensideal einpflanze, das mahnende und warnende, treibende und aufrichtende Kraft besike. Das Gymnasium sei geschichte lich hervorgewachsen aus dem humanistischen und dem religiösen Element. In diejen beiden, die wohl auch für die Zukunft die Grundelemente der Gymnasialbildung bleiben würden, sei bei aller Hochachtung vor der bildenden Kraft der Naturwissenschaften doch das wirkjamste Material zur Schaffung des Lebensideals zu sehen: dies erwachse vor Allem aus dem Studium der Menschen, ihrer Äußerungen, ihrer Werte und Geschide und aus der Religion, aus der Versenkung in das, was wir heilig hielten und was uns den Weg zur Heiligung zeige. Und wenn nun die Universität neben sich ein Gymnasium sehe, in welchem gleicherweise wissenschaftlicher Sinn und Bildung des Charakters gepflegt werde, in welchem die Eigenart des Gymnasiums scharf ausgeprägt sei und dabei eine Vermittlung mit allen bez rechtigten modernen Anforderungen an die Schule erstrebt werde, so sei es nicht anders möglich, als daß die Hochschule sich mit dieser Anstalt von Herzen des er: reichten Lebensabschnittes freue, ihr warmen Dank abstatte und ihr aufrichtig Glüd wünsche.

Als dritter ergriff der Oberbürgermeister von Heidelberg, Dr. Wildens, das Wort. Er gab der hohen Befriedigung Ausdruc, welche die Stadt darüber empfinde, nicht bloß eine altberühmte Hochschule, sondern eine auf den akademischen Unterricht vorbereitende Lehranstalt, wie das hiesige Gymnasium, zu besigen, und darüber, daß es nun durch opferwilliges Zusammenwirken von Stadt und Staat gelungen sei, dieser Schule ein neues, schönes Heim am Nedar zu schaffen. Er hob dann die ethische Bedeutung hervor, welche die Gymnasien für die deutsche Nation besessen hätten und besäßen. Jahrhunderte hindurch habe die klassische Bildung aufs Wesentlichste dazu beigetragen, in unserem Volke das Bewußtsein wach zu erhalten, daß nicht die materielle Seite des Lebens, nicht schrankenloses GenieBen, sondern ernste Arbeit und treue Pflichterfüllung das Dasein wertvoll mache. Man dürfe sicher hoffen, daß hierin der Geist des Humanismus und des Idealis: mus, wie er in den deutschen Gelehrtenschulen gepflegt werde, auch in der Folge seine Stärke erweisen werde.

Sodann übergab Medizinalrat Dr. Mittermaier, einer der ältesten Schüler der Anstalt, die Urkunde über eine reiche Stiftung, das Ergebnis einer Sammlung unter den alten Zöglingen. Im Namen der Eltern der gegenwärtigen Schüler sprach Geheimerat Dr. Erb, dessen überaus warme Anerkennung für die durch unsere Anstalt erzielte Förderung nicht bloß des geistigen und fittlichen, sondern auch des körperlichen Wohles ihrer Zöglinge klares Zeugnis dafür ablegte, wie unrichtig es vor einigen Jahren gewesen ist, eine vielfach besprochene Rede des Genannten über die wachsende Nervosität unserer Zeit als zum Teil gegen die Praxis am Heidelberger Gymnasium gerichtet anzusehen. Um ihre Dankbarkeit insbesondere für die eifrige Pflege des patriotischen Sinnes in der Anstalt zum Ausdruck zu bringen, würden die Eltern – so kündigte der Redner an – den Festraum der Schule mit den Büsten der Männer schmücken, die in den lebten Decennien die Geschicke

Deutschlands gelenkt, unser teures Vaterland geeinigt und ihm eine weltgebietende Machtfülle verliehen hätten.

Die bedeutungsvollen Ansprachen von Schulmännern, von mehreren badiichen, zwei bayerischen, einem Württemberger und von drei aus dem Elsaß, werden an anderem Drte wörtlich mitgeteilt werden, ebenso die meisten Zuschriften. Sie kamen in sehr verschiedener Form und von sehr verschiedenen Gegenden, von Behörden (jo dem preußischen Kultusministerium), von zahlreichen preußischen, bayerischen, sächsischen und hessischen Schulen, von Vereinen und von Einzelnen, hervorragenden Männern der Kirche, Wissenschaft und Schule, alten und ältesten Zöglingen. Aus dem hohen Norden schrieb die Gesellschaft zur Wahrung der Humanitätsstudien zu Stocholm; 24 Professoren an der Universität und den Schulen Kristianias telegraphierten (und der Draht brachte die Worte ohne Corruptel): vestro gymnasio sæcula futura permensis digna vovent magistri Norvegici, qui cum triste domi doleant veterum studiorum exitium, sperant non moritura ea esse foris. Auch aus St. Petersburg, Prag, Wien, Budapest, England und Nordamerika grüßten gar manche Waffenbrüder. Große Heiterkeit rief das Telegramın der Kreuzschule in Dresden hervor, die „auf mehr als 600 Jahre zurüdschauend, die jugendliche Heidelberger Schwester beglückwünscht.“ Der Vers war neben der Prosa reich und gar mannigfaltig vertreten. Das Wilhelmsgymnasium in München telegraphierte: Have, dulcis consobrina! Te salutat Wilhelmina Monacensis æmula. In futurum te felicem Sapientiæ genetricem Servet Dei gratia. Die Grüße alter Schüler kamen zum Teil aus großer Ferne, drei von Pionieren deutscher Kultur in Afrika, von dem Major und Kaiserl. deutschen Landeshauptmann für Südwestafrika Leutwein in Swakopmund, von dem gegenwärtigen K. deutschen Kanzler in Kamerun, Regierungsrat Dr. Seiß, und von einem gegenwärtig in Heidelberg im Transvaal beschäftigten Berg= mann, dem Sohn unseres hiesigen Baurats Behag hel.

Die Fülle der guten Worte, die unserer Anstalt und zugleich zum größten Teil, was uns nicht minder wichtig, dem Humanismus in diesen Rundgebungen gesagt sind, und aus denen eine Auswahl zu treffen nicht gelingen will, verbietet uns, an dieser Stelle mehr Einzelheiten zu bringen.

Nach dem Festmahl begann die von Schülern des Gymnasiums ausgeführte Festvorstellung. Wir hatten zwei Euripideische Werke in deutscher Übertragung gewählt. Voran ging die Aulische Iphigenie, der wir den Vorzug vor anderen Tragödien des jüngsten der drei großen Tragiker gegeben hatten um der herrlichen Schiller’schen Überseßung willen und weil wir schon vor Jahren einmal die Erfahrung gemacht hatten, daß gerade dieses Drama durch eine Reihe von Szenen

noch heute den tiefsten Eindrud bervorzubringen vermag, daß don ihm zwar auch die Ausstellung, aber zugleich in vollem Maß das Lob des Aristoteles gilt: 6 prions, el 27.ca. 9. I, 6 :20vousi, 1. tamm.6::ye tov Tortov

IVECI!. Aus der Feder des Kollegen Stadtmüller war vorher in einer Zeitung Heidelbergs eine historisch-ästhetiiche Besprechung des Stüdes zur Orientierung eridienen. Nach einer musikalischen Einleitung mit feitlichem Charakter (es war der Huldigungsmarsch aus Gluds Armide) sprach ein Oberprimaner den von Dr. med. G. Walb gedichteten Prolog, aus dem wir hier den Schluß mitteilen. Der Dichter bezeichnet viererlei als das, was die Zöglinge der Anstalt aus allen Zeiten Fest derbindet: „Den stäten Raum – Alt Heidelberg“, „das Vaterland“, „die groBen deutschen Geister",

Und noch etwas: der ewig junge Quell
Der klass'ichen Bildung, der so stark und hell
Hervoríprang durch der Griechen Zauberstab
Zu ganz Europas heller Lust und Lab,
Und der — zwar heiß umbrandet und umfriegt –
Doch nimmermehr veríandet und versiegt.
Auch heut quillt er von dieser Bühne vor
Und rauscht als Poesie an Euer Dhr.
Laßt ihn mit seinen tragischen Gewalten,
Mit seiner Komit stolzen Einzug halten
In Eure Seelen, nehmt ihn in Euch auf,
Wie ihn in mehr als dreier Saecul' Lauf
So Mancher in sich aufnahm, den schon lang
Der Rasen deckt, und wie im Zeitendrang
(Der Zeitgeist mag fich drob zu Tode grämen!)

Jhn noch so Mancher in sich auf wird nehmen! Danach ertönte die Glud'sche Ouverture zu der gleichnamigen Oper, meisterhaft unter Leitung des Musikdirektors Professor Wolfrum ausgeführt. Der Vorhang erhob sich schon vor den lekten Taften, und aus seinem Zelt schritt in der Morgendämmerung Agamemnon. – Dem Regisseur steht es zuleßt zu, über den Ausfall einer Aufführung ein günstiges Urteil 311 fällen; wohl aber darf er, meine ich, sagen, daß nach allen Urteilen Anderer, die er vernommen, Euripides auch nach mehr denn 2000 Jahren noch in hohem Grade die Zuhörer erfaßte. Unter den jugendlichen Schauspielern gebührt das Lob für dieses Gelingen besonders den Darstellern des Agamemnon und der Iphigenie. Beide hatten sich in ihre schwierigen Rollen so eingelebt, daß auch der starke Umschlag in den Stimmungen des Vaters und der Jungfrau zu klarem Ausdruck kam. Besonders ergreifend wirkte, so wurde mir gesagt, die Szene, in der Iphigenie um ihr Leben bittet, und die, in der sie sich zu der patriotisch-heldenhaften Gesinnung erhebt, welcher der Tod für das Vaterland als höchster Ruhm gilt. Auch der Chor wurde von Schülern der Anstalt. dargestellt, meist von Quartanern und Tertianern, die im griechischen Kostüm gar anmutig aussahen. Die Chorpartieen wurden sämtlich gesprochen. Was von Instrumentalmusił noch begleitend oder in Pausen der Handlung hinzutrat, war von Meister Wolfrum Alles aus Gluđ’ichen Opern feinsinnig ausgewählt, so der Priestermarsch aus Alceste für Iphigeniens Gang zum Opferaltar.

Antiker Sitte entsprechend, folgten auf das tragische Spiel die Satyrn, und beim Cyklop des Euripides war mir von Anfang an um den Erfolg nicht bange. Es konnte viel verfehlt werden, und er mußte doch durchschlagen mit seiner sprudelnden Komik und seinen merkwürdigen Anklängen an die heutige Zeit. Und er thats, auch hier aber wieder zum Teil dank dem Eifer der Mimen. Der längste und träftigste unserer Zöglinge gab den Cyflop; Silen und die Satyrn dagegen, sowie Odysseus und seine Gefährten wurden von den Kleinsten dargestellt, und daß der Quartaner Odysseus seine heroischen Reden im Diskant hielt, machte die Sache noch komischer. Dem Tert, den wir herstellten, war die alte Überseßung von Genthe zu Grunde gelegt. Als musikalische Einleitung war hier von Prof. Wolfrum eine Duverture von d’Allayrac (zu den beiden Savoyarden) gewählt, die ganz wie gemacht für unser Satyrdrama war; die musikalischen Einlagen und Begleitungen aber stammten aus den verschiedensten Opern und brachten teilweise auch durch ihre Bekanntheit komische Wirkungen hervor, z. B. die Melodie zu „Ha, welche Schlünde“ aus dem Don Juan, die ertönte, als das Ungetüm seine Dpfer in die Höhle trieb. – Der Tag schloß mit einem Ball, den eine Quadrille, getanzt von den Frauen des Chors aus der Iphigenie und von den Satyrn und Griechen aus dem Cyklopen, eröffnete.

Am andern Tag (einem Sonntag) fand morgens ein Gottesdienst für die protestantischen und einer für die katholischen Schüler statt, denen auch zahlreiche andere Festteilnehmer beiwohnten. Unser katholischer Religionslehrer legte die Aufgaben der Schule dar, zu Wahrheit und Weisheit zu erziehen und feste Charaktere heranzubilden; in dem protestantischen Gottesdienst sprach ein anderer Kollege über das Band, das allezeit Wissenschaft und Religion verbinden müsse, wenn die Wirtsamkeit einer Erziehungsanstalt gesegnet sein solle.

Dann folgten turnerische Vorführungen von Klein und Groß mit musikalischer Begleitung in unserer Turnhalle; weiter auf dem Nedarvorlande gerade gegenüber der Anstalt ein griechischer Fünfkampf und eine Schülerregatta auf dem Fluß. Die Sieger erhielten Ölzweige mit Blüten, die gepreßt aus Griechenland gesendet und (mit Bändern in heimatlichen Farben geschmüct) auf weißem Karton befestigt waren. Am Nachmittag vereinigte Manche ein Ausflug nedaraufwärts. Abends hatte uns zu Ehren die Stadt die Schloßruine beleuchten lassen. Den Schluß bildete ein Bankett, bei dem tiefernste, vaterländische sowie Schule und Haus angehende Trinksprüche und heitere aus dem Mund der verschiedensten Altersstufen vernommen wurden. Das Liederbuch bot föstliche Festgedichte, auch in mittelhochdeutscher, lateinischer und griechischer Zunge, und als um Mitternacht ein Zögling der Anstalt, der jeßt Dozent der Medizin an unserer Universität ist, das Scepter crgriff, so holte er in der Thronrede aus seinem Gedächtnis eine große Anzahl griechischer Verse mit sehr launiger Verwendung hervor.

„Die Erinnerung an diese Dinge, nimmer, nimmer wird sie mir vergehn“, citierte mir einer der Teilnehmer der Feierlichkeiten aus Schiller: Überlegung der Iphigenie, und ich hoffe, Alle, die den 24. und 25. Oktober mit uns erlebt, werden so denken. Das Beste aber unter dem Erlebten war der Eindrud von der engen Zusammengehörigkeit aller, die einst dem Heidelberger Gymnasium angehört, und von der treuen Bundesgenossenschaft derer, die die Fahne der humanistischen Schulbildung hoch halten.

Unvergessen bleibt uns endlich die Huld, die unser allüberall verehrtes Fürstenhaus für unsere Anstalt und die von ihr vertretene Bildung wieder bei dieser Gelegenheit kundgab. Seine Königliche Hoheit der Großherzog, dessen Erscheinen unserem Feste die schönste Weihe gegeben hätte, sandte uns aus dem Krankenzimmer Worte der herzlichsten Teilnahme an der Feier; und Seine Erlauchte Gemahlin ließ uns brieflich gleichfalls versichern, welche aufrichtige, große Freude Jhr das gute Gelingen unseres Festes bereitet habe.

G. Uhlig.

Über den Fortgang der Bewegung für Volks- und Iugendspiele.

Der Zentral-Ausschuß für Volks- und Jugendspiele in Deutschland hat auch im Jahre 1896 eine Thätigkeit entwidelt, die mehr und mehr ihre Früchte für das Jugend- und Volksleben erbliden läßt. Nach dem uns zugegangenen Berichte um: faßte diese Thätigkeit in erster Linie den regen Verkehr mit einer großen Anzahl von Stellen, welche des Rates bedurften, sei es, daß sie neu in die Bewegung eintraten, oder daß sie in ihrer bereits aufgenommenen Arbeit einer Förderung bedurften. Sodann sind behufs Ausbildung von Lehrkräften im Auftrage des ZentralAusschusses 18 Kurse für Lehrer mit 568 Theilnehmern und 4 Kurse für Lehrerinnen mit 169 Theilnehmerinnen abgehalten worden. Seit dem Beginn der Thätigkeit des Zentral-Ausschusses, also seit 1891, sind im Ganzen 84 Lehrerund 30 Lehrerinnen - Kurse in allen Teilen Deutschlands zur Abhaltung gelangt, in denen etwa 3000 Lehrer und etwa 1500 Lehrerinnen ihre Ausbildung erfahren haben. Nächstdem haben die Unterausschüsse eine rege Thätigkeit entfaltet. Der technische Ausschuß hat eine weitere Anzahl von Spielregeln festgestellt, und ebenso hat der Ausschuß für Volksfeste eine Reihe von Beratungen gepflogen. Endlich ist aus der inneren Thätigkeit des Zentral - Ausschusses im Jahre 1896 noch der Plan eines Deutschen Nationalfestes, d. i. eines Deutsch nationalen Olympia erwachsen. Da dieser zu einem vaterländischen Unternehmen herangereifte Plan in= dessen über den Rahmen der ursprünglichen Aufgabe des Zentral-Ausschusses hin= ausreicht, so ist derselbe mit Zustimmung des leşteren jeßt aus dessen Arbeitsprogramm ausgeschieden. Für ihn hat sich inzwischen eine völlig selbstständige Drganisation gebildet.

Gleichmäßig hat sich die äußere Thätigkeit des Zentral-Ausschusses im Jahre 1896 wirksam erwiesen. Wie seither hat derselbe es als eine seiner wesentlichen Aufgaben erachtet, durch gelegentliche Mitteilung an politische, pädagogische, medizinische sowie turnerische und sportliche Zeitungen das allgemeine Interesse und das Verständnis für die Leibesübungen im Deutschen Volke mehr und mehr zu verbreiten; sodann sind von ihm mannigfache Anregungen auch bei besonderen Stellen, wie bei Behörden, Schulen oder Einzelpersonen, Behufs inmittelbarer Förderung der Spiele und verwandten Leibesübungen gegeben worden. In Weiterem hat der

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